Wie läuft es bei Euch zu Hause und in den Wohn­gruppen?

Wer kennt dies oder andere Bilder vom Corona Virus nicht? Lange fühlte es sich an, als würde es ihn nur weit weg in China geben. Spätestens seit dem 18.03.2020, als der Unterricht bis zum Ende der Osterferien ausgesetzt wurde, ist allen klargeworden, dass Corona auch unser Leben hier in Deutschland stark beeinflusst. Und dann gilt seit dem 23.03.2020 eine Kontaktbeschränkung, Geschäfte und Freizeiteinrichtungen sind geschlossen, Sportvereine dürfen nicht mehr trainieren und vieles mehr. Zu unserer aller Sicherheit müssen wir die Veränderungen in unserem Alltag meistern. Das haben wir alle verstanden, aber das heißt nicht, dass es immer leicht ist.

Da es im Moment nicht möglich ist, sich außerhalb der Wohngruppen oder der Familien zu treffen, haben wir versucht, Euch und uns hier die Möglichkeit zu geben, von Erfahrungen zu berichten, wie die schwierige Zeit einfacher oder besser wird. Dazu diente unser Fragebogen. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben! Eure Erfahrungen werden hier in Kürze veröffentlicht.

zum Fragebogen

Die Auswertung

Liebe Mädchen und Jungen,

vielen Dank für Eure Beteiligung an der Befragung. Uns liegen 142 ausgefüllte Fragebögen vor. Die Ergebnisse haben wir hier zusammengefasst. Schaut doch mal rein, vielleicht findet Ihr es interessant wie es anderen in der Situation geht oder entdeckt noch Anregungen für Euch.

Den meisten von Euch fehlen die Familie, einzelne Familienmitglieder, die Beurlaubungen nach Hause und Freunde ganz allgemein. Viele von euch gaben an, dass ihnen die Freiheit, hinzugehen wo sie wollen und Unternehmungen fehlen. Konkreter wurden die, die angaben, dass ihnen Ihre Hobbys und die Vereine fehlen, z.B. Fitnessstudio, Fußball, Feuerwehr oder auch der Jugendclub.

Aber nicht nur in der Freizeit werden Dinge oder Personen vermisst, viele gaben auch an, dass sie die Schule, ihre (Lieblings) lehrer*innen, Mitschüler*innen, das Praktikum oder die Arbeit vermissen. Einige sagten, dass ihnen auch die Tagesstruktur fehlt, die durch die Schule vorgegeben wird.

Und dann gab es einzelne Dinge des Alltags, die fehlen: Shoppen, Nägel machen lassen, Essen gehen, soziale Kontakte, Spaß haben und auch ganz wichtig Umarmungen.

Hier spielen die Erzieher*innen bzw. Betreuer*innen und die Mitbewohner*innen eine große Rolle. Viele von euch sagten, dass die Beschäftigungsangebote, die gemeinsame Freizeitgestaltung und die Gespräche hilfreich sind.

Darüber hinaus spielen digitale Medien eine große Rolle. Diverse Messengerdienste, soziale Netzwerke, Videocalls und auch Telefonate ermöglichen Euch, mit Euren Familien und Freunden im Kontakt zu bleiben. Der Kontakt zu Euren Freunden und Familien über diese Wege wurde von vielen als wichtig und hilfreich genannt. Playstation, PC Spiele, Netflix, Fernsehen und YouTube lenken ab und unterhalten. Einige von Euch berichten, dass die Handy- und WLAN Regeln gelockert wurden.

Auch Hobbys scheinen Euch in der Zeit der Einschränkungen zu helfen. Hier wurden beispielsweise Angeln, Fahrrad fahren, Lesen, Malen, Lego bauen, praktisches Arbeiten und viel rausgehen genannt.

Auch die Schularbeiten helfen sich abzulenken und die Zeit zu vertreiben, wurde gesagt.

Und neben den ganz praktischen Dingen wurde auch aufgeführt, dass es hilft, das Gefühl zu haben, nicht allein zu sein, in der Wohngruppe zusammenzuhalten und sich auf die Zeit danach zu freuen.

Überwiegend wird der Kontakt zu Freunden und Familie, wo persönliche Treffen nicht möglich sind, über das Handy und diverse soziale Netzwerke und Messengerdienste (Instagram, Facebook, Snapchat, WhatsApp etc.) gehalten.

Einige gaben an, dass sie Briefe oder Postkarten schreiben und Päckchen verschicken.

Nur sehr wenige von Euch gaben an, dass sie gar keinen Kontakt haben, oder nur am Wochenende, wenn sie ihr Handy haben oder sich das Handy von einem Freund borgen können.

Einige berichten auch von der Gestaltung von Kontakten im Rahmen der Bestimmungen: Nur einen Freund im Abstand von 2 Metern treffen, Spiele im Freien oder einen Freund, der an den Gartenzaun zum Reden kommt.

Da gab es viele verschieden Angaben. Zunächst fanden viele es gut, dass sie keine Schule haben, dadurch weniger Stress, länger schlafen können und auch später ins Bett müssen. Einige sagten, dass es gut ist, dass sie Aufgaben von der Schule bekommen, lernen, selbständig zu arbeiten und neue Lernstrategien zu entwickeln.

Viele von Euch genießen es auf der einen Seite, mehr Zeit für sich zu haben, aber auch mehr Zeit mit den anderen Bewohner*innen und Betreuer*innen zu verbringen und sich besser und anders kennenzulernen. Die Kinder, die bei ihren Familien leben, genießen, dass sie mehr gemeinsame Zeit zu Hause haben.

Auch hier machen sich die Lockerungen bezüglich der Mediennutzung deutlich. Einige berichten davon, dass sie ihr Handy jetzt länger benutzen dürfen, generell mehr Zeit für die Mediennutzung und Fernsehen zur Verfügung haben und der Zugang zum WLAN ermöglicht bzw. verlängert wurde.

Viele nutzen die Möglichkeiten, die trotz der Kontaktbeschränkungen bestehen, für sich. Sie sind froh, dass sie sich auf dem Gelände und in der Natur bewegen können. Hier nutzen sie unterschiedliche Möglichkeiten und in den Einrichtungen werden gezielte Angebote gemacht. Auch die Möglichkeit des Spaziergangs mit einer Person oder das Einkaufen wurden als positiv benannt.

Auch hier sagten einige von Euch, dass es gut ist, dass man als Gruppe oder Familie zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Es wurde auch gesagt, dass es gut ist, dass ihr geschützt seid und Regeln gelockert wurden. Jemand gab an, dass man durch die Situation lernt, auf seine Gesundheit zu achten und hygienischer zu werden. Und auch ein positiver Ausblick wurde gegeben: Das Land versucht, die Seuche einzudämmen, dass wir alle bald wieder zusammen sein können.

Und einige sparen scheinbar Taschengeld.

Hier werden Eure vielen unterschiedlichen Interessen deutlich. Einige finden es besonders gut, dass sie ausschlafen und entspannen können. Viele berichten, dass sie viele Gesellschaftsspiele spielen und auch neue ausprobiert haben. Daneben wird auch hier wieder berichtet, dass mehr Zeit für Fernsehen, Zocken und andere Mediennutzung ist und das gern genutzt wird. Sowohl für sich allein, als auch in der Gruppe oder zur Kontaktgestaltung mit Freunden.

Es wird aber auch viel Sport getrieben, z.B. Fitness, Tanzen, Turnen, Darts, Billard.

Eine große Rolle spielt in dieser Zeit auch das Essen. Es wird viel gekocht und gebacken, neue und aufwändigere Dinge ausprobiert.

Viele von Euch hören oder machen Musik, lesen, basteln, bauen Lego, werkeln, zeichnen und in einer Wohngruppe gab es eine Dominochallenge.

Und die Zeit wird auch genutzt, um mal gründlich aufzuräumen, umzuräumen oder die Wohnung neu zu gestalten.

Hier wurden viele verschiedene Sportarten von Euch benannt, z.B. Fußball, Fahrrad/BMX fahren, Angeln, Tischtennis, Inline Skater fahren, Penny board fahren, Federball spielen, Trampolin, Volleyball und Joggen.

Einige von Euch berichten, dass ihnen Gartenarbeit zurzeit viel Spaß macht. Sie pflanzen, graben Wurzeln aus oder beobachten Zierfische im Gartenteich.

Ansonsten wird Entspannung beim Sonnen, Buden bauen, Lesen, Musikhören, malen bei Spaziergängen im Wald und Gesprächen mit Mitbewohner*innen und Betreuer*innen genossen.

Auch hier wurden verschiedene Dinge ausprobiert bzw. neu entdeckt. So berichten viele von Euch, dass sie (wieder) mehr Gesellschaftsspiele, z.B. Schach oder andere Brettspiele und Kartenspiele ausprobiert haben.

Es wurde aber auch handwerkliches ausprobiert. So wurden Seifenkisten gebaut, ein Gehege für Meerschweinchen gebaut und Laubsägearbeiten zu Ostern gemacht.

Viele von Euch haben sich beim Kochen und Backen geübt und auch gesagt, dass das bei der Verselbständigung hilfreich ist.

Es wurde aber auch stricken gelernt, schminken geübt, mit Perlen gebastelt, wieder mehr gelesen und Briefe geschrieben.

Und auch die Bewegung kam nicht zu kurz. Es wurde Spagat, Handstand und Radschlag geübt und Billard gelernt.

Draußen scheinen die Ideen grenzenlos zu sein. Es wurde viel Sportliches ausprobiert: Fußball, Rückwärtssalto auf dem Trampolin, Badminton, Tanzen und Tänze filmen, Bogen schießen, Wikingerschach, Moped AG, neues BMX Tricks, Basketball, Inliner statt Rollschuhe fahren, ein Parcours wurde gebaut, Frisbee und Gummihopse gespielt und Roller gefahren.

Es wurde aber auch viel im Garten gearbeitet. Es wurde umgegraben, neu gepflanzt, Pflanzen kennengelernt und eine Schmetterlingsschnecke und ein Hochbeet gebaut.

Es wurde auch viele Waldspaziergänge gemacht, auf denen Vogelstimmen angehört wurden oder gelernt wurde, sich leise im Wald fortzubewegen.

Darüber hinaus wurde ein Haus aus Stöcken gebaut, Buden gebaut, alte Sachen neu gestrichen, Graffitis gesprayt, eine Schnitzeljagd gemacht, Würmer für Fische gesammelt und geangelt.

Hier hat jeder so seine eigene Lösung und die sind ganz vielfältig. Es gibt aber auch einige Überschneidungen. So geben viele an, dass wenn es gar nicht mehr geht, der Kontakt zur Familie und zu Freunden telefonisch, per Video Call oder persönlich hilft.

Auch das eigene Zimmer wurde mehrmals als wichtiger Rückzugsort zum Schlafen, (laut) Musik hören, fünf Minuten allein sein oder telefonieren genannt.

Andere wiederum entspannen bei frischer Luft, einem Spaziergang, Fahrrad fahren oder anderer sportlicher Betätigung.

Einige von Euch lenken sich mit Lesen, Puzzeln, Animes, dem PC, dem Handy und dem Internet von ihren Sorgen ab.

Und dann gibt es noch ganz viele verschiedene individuelle Dinge, die einigen von Euch helfen. Das können Kuscheltiere, Gott und ein Gebet, Meditation, Backen, Zucker und Netflix oder auch Haustiere sein.

Kinder- und Jugendhilfe Landesrat – Wer sind wir und was machen wir?

Der Kinder- und Jugendhilfe Landesrat - kurz der KJLR ist eine Interessenvertretung für Kinder und Jugendliche aus den erzieherischen Hilfen im Land Brandenburg. Die Mitglieder des KJLR sind Kinder und Jugendliche, die Angebote der Hilfen zur Erziehung nutzen. Gewählt wurde der KJLR am 04.10.2018 von den jungen Menschen, die am 3. Dialogforum für Kinder und Jugendliche in den Erzieherischen Hilfen teilgenommen haben.

Wir, der KJLR möchten auf die Situation von jungen Menschen in Hilfen zur Erziehung aufmerksam machen und Eure und unsere Probleme und Wünsche dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, den Jugendämtern, den Einrichtungen und der Öffentlichkeit mitteilen und Lösungen verhandeln. Dazu brauchen wir immer auch Eure Unterstützung. Wir können uns nur um die Themen kümmern, die Ihr an uns herantragt. Dazu gibt es zum einem die Möglichkeit bei den jährlich stattfindenden Dialogforen oder Ihr schreibt uns an: info@kjlr-brandenburg.de Wir setzen uns dann mit Euch in Verbindung.

Woran merkt Ihr bisher, dass es uns gibt? Wir haben uns zum Beispiel im letzten Jahr für mehr Gerechtigkeit beim Taschengeld eingesetzt. Und wir haben das Dialogforum im letzten Jahr mit vorbereitet und haben uns und unsere Arbeit dort vorgestellt und Euch ganz viel zugehört.

Wenn Ihr in der aktuellen Situation Fragen, Probleme oder Anregungen habt dann nehmt per Mail Kontakt zu uns auf. Wir versuchen zu unterstützen wo es geht. Bleibt gesund und passt auf Euch auf.


Euer Kinder- und Jugendhilfe Landesrat